Wissenswertes über Lawinen
Merksätze
- Abseits gesicherter Routen = erhöhte Gefahr!
- Ohne Gebirgserfahrung meide ungesicherte Routen!
- Sich informieren: Lawinenbulletin über Radio oder Telefonauskünfte der Pisten- und Sicherheitsdienste!
- Bei Nebel und Schneesturm erhöhte Gefahr
- Sich mit dem Verschüttetensuchgerät (VS) vertraut machen (Trockenübungen)!
- VS umbinden, Funktionskontrolle, auf Senden schalten!
- Lawinenschaufeln und alpine Ausrüstung mitnehmen!
- Ständige Reaktionsbereitschaft und sich gegenseitig ständig beobachten!
Wann besteht Lawinengefahr?
Die wichtigsten Faktoren für die Beurteilung sind:- Das Gelände
- Mit zunehmender Steilheit im Anrissgebiet (ab etwa 25 Grad) nimmt die Lawinengefahr zu. Von Einfluß sind auch Geländeform, Bodenbedeckung und Exposition bezüglich Sonne und Wind.
- Der Wind
- Unter Windeinfluß entstehen gefährliche Triebschneeansammlungen im Windschatten (hinter Kämmen, unter Gefällsbrüchen in Mulden oder seitlichen Hangrippen), Zunahme der Gefahr.
- Der Schneedeckenaufbau
- Lockere Basis- und Zwischenschichten, Schwimmschnee und eingeschneiter Oberflächenreif erhöhen die Gefahr von Schneebrettlawinen.
- Der Neuschnee
- Im allgemeinen
bringt eine Neuschneemenge innerhalb von 1-3 Tagen, ohne wesentliche Windwirkung, von
- 0-30 cm keine bedeutende Zunahme der Gefahr.
- 30-50 cm örtliche Gefahr in Tourengebieten.
- 50-80 cm allgemeine Gefahr. Touren sind zu unterlassen.
- mehr als 80 cm große allgemeine Gefahr, häufig große Lawinen bis in die Talsohle; sichere Stützpunkte nicht mehr verlassen.
ab ca. 25 Grad Neigung = Lawinen
Schneefallpausen wirken sich stabilisierend aus.
- Die Temperatur
- Steigend: Vorübergehende
Gefahrenerhöhung, auf längere Sicht - dank fortschreitender Setzung
- Verminderung der Gefahr (vor allem, wenn nach der Erwärmung eine Abkühlung
erfolgt).
- Fallend: Zunahme der Festigkeit und damit Gefahrenverminderung. Andererseits langsamere Verfestigung: Falls Gefahr besteht, wird sie über längere Zeit konserviert.
Verhalten bei Lawinengefahr
- Bei großer allgemeiner Lawinengefahr sichere Stützpunkte (Siedlungen, Hütten, Unterkünfte usw.) nicht mehr verlassen.
- Lawinengefährliche Hänge meiden und umgehen; nur im Notfall und zu Rettungszwecken betreten.
- Wird lawinenverdächtiges Gebiet begangen, so sind folgende Vorsichtsmaßnahmen geboten:
Vor dem Abmarsch
- Verschüttetensuchgerät (VS) umbinden, Funktionskontrolle und auf Senden schalten, Lawinenschaufel im Rucksack
- Zahl und Namen der Beteiligten festhalten
- Eintrag im Hüttenbuch: Zahl und Namen der Beteiligten, vorgesehene Route, mit/ohne VS, verwendeter VS-Typ.
Im Gelände
- Wegroute (im Voraus
festgelegt):
- Auf- oder Abstieg über sichere Rippen oder unter Benutzung natürlicher Haltepunkte wie Baumgruppen, Felsen, Gebäude, Geländeverflachungen usw.;
- notwendige Querungen möglichst hoch oben im Hang;
- Abfahrt in den Hangrandzonen beginnen: Der Fluchtweg ist in der Regel kürzer;
- einzeln abfahren mit Kurzschwüngen oder engem Parallelschwung;
- keine unnötigen Querungen;
- sturzfreie Querungen oder Abfahrten, Routenwahl dem schwächsten Fahrer anpassen.
- Marschreihenfolge
festlegen, Schlußmann bestimmen.
- Reaktion für den Fall eines Lawinenabgangs festlegen;
- Warnposten aufstellen;
- Ohrenklappen und Kapuze über Mund und Nase ziehen; falls VS nicht vorhanden, Lawinenschnur umbinden und auswerfen;
- Skistöcke über die Schlaufe fassen, Fangriemen lösen;
- Abstände derart wählen, daß sich jeweils nur eine einzige Person in der Gefahrenzone befindet;
- die Wartenden beobachten die Person in der Gefahrenzone.
Verhalten bei Lawinenniedergang
- Versuchen, aus dem Lawinenbereich auszufahren.
- Skibindung öffnen, Stöcke loslassen, sich durch Schwimmbewegungen an die Oberfläche der Lawine emporarbeiten, an Gesträuch, Felsblöcken usw. festhalten.
- Mund schließen.
- Vor dem Stillstand der Lawine versuchen, Atemraum zu gewinnen, Arme und Hände vor das Gesicht ("Boxerstellung").
Verhalten der Nichtverschütteten mit VS
- Wenn Nachlawinen möglich sind, Warnposten aufstellen.
- Einfahrts- bzw. Einmarschspur und Verschwindepunkt der Verschütteten beobachten und markieren.
- Die zur Suche bestimmten Geräte auf "Suchen" umschalten. Die übrigen Geräte ausschalten.
- Festlegen eines primären Suchbereichs. der Verschüttete liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in Fließrichtung unterhalb des Verschwindepunktes.
Überlebenschancen
bei Lawinenunfällen
- direkt nach Lawinenstillstand: 80%
- nach 0,5 Stunden: 55%
- nach 1,0 Stunden: 42%
- nach 1,5 Stunden: 30%
- nach 2,0 Stunden: 21%
- nach 2,5 Stunden: 14%
- nach 3,0 Stunden: 9%
- nach 3,5 Stunden: 6%
- nach 4,0 Stunden: 2%
- nach 4,5 Stunden: <0,5%
